Wölfe - Rückkehr wirft viele Fragen auf

Die Bedingungen haben sich in 150 Jahren verändert, Dieter Helmke, Landvolk.

Gasberg. „Wir werden mit dem Wolf leben müssen“, so das Fazit der Podiumsdiskussion „Wölfe in Niedersachsen“, zu der die FDP Grasberg in den Grasberger Hof eingeladen hatte. Einmal mehr wurde an diesem Abend deutlich, dass Tierhalter, Landwirte und Züchter sich in ihren existenziellen Sorgen und Nöten von der Politik und Naturschutz nicht wahr- geschweige denn ernst genommen fühlen. Als Fachleute gaben Heiko Ehing, Kreisjägermeister und Wolfsberater im Landkreis Osterholz, Dieter Helmke, Vorstandsmitglied des Landvolks Osterholz-Scharmbeck, der FDP-Landtagsabgeordnete Gero Hocker und Biologe Karsten Schröder von der Biologischen Station Osterholz Auskunft. Die Moderation des Abends übernahm der Vorsitzende des FDP-Kreisverbands Osterholz, Udo Granz. Mehr als 50 Schafe verlor Deichschäfer Kay Krogmann seit 2012 durch Wolfsangriffe, nicht in der Rechnung inbegriffen sind Verletzte und traumatisierte Tiere. Das gehe auch an ihm nicht spurlos vorbei, berichtete der Schäffer, der sich zudem mit Anfeindungen selbst ernannter Tierschützer auseinanderzusetzen hat. 1000 ha Winterfläche habe er aufgrund der Wölfe aufgegeben. Große Sorge bereitet ihm das Vordringen des großen Raubtiers auf die Deiche. Nur einen geringen Teil an der Diskussion Namen der Bereich der Entschädigungszahlung und Fördergelder ein, ein umstrittenes und schwieriges Thema, wieder Beitrag des Oberneulander Pferdezüchters Heinrich Tietjen zeigte. Es sei nicht nur der materielle Schaden, den Tierhalter und – züchter durch Wolfsangriffe erlitten, auch ein nur schwer zu beziffernder immaterieller. Es könne zwar der einzelne Wolfsriss finanziell ersetzt werden, nicht aber die Eingriffe in seine seit über 40 Jahren aufgebaute Zuchtlinie durch den Verlust wichtiger Zuchttiere. Kay Krogmann gab den indirekten Schaden, den er als Deichschäfer nur durch die Anwesenheit des Wolfes getragen habe mit 20.000 Euro an. Der Biologe Karsten Schröder, mit Begründer der Biologischen Station Osterholz, bemühte sich die Diskussion zu versachlichen. Er kennt den Wolf seit 20 Jahren und geht von acht bis neun Rudel in Niedersachsen aus, das entspricht 80 Tieren. 400 Wölfe seien es in Deutschland. Rein rechnerisch und aufgrund der Lebensraumbedingungen würden nicht mehr als zwei Wölfe in den Landkreis Osterholz passen. Europaweit bleibe der Wolf ein geschütztes Tier, trotzdem sei es wichtig, sich um ein wirksames Management zu kümmern. Wölfe, die sich in der Nähe menschlicher Siedlungen aufhalten und Menschengewöhnung zeigen, müssen getötet werden, so die klare Meinung von Karsten Schröder. Grundsätzlich aber hält er nichts von Wolfsbejagung, ausgestorben seien sie vor 150 Jahren durch fallen und Vergiftung. Wie Dieter Helmke betonte auch FDP-Landtagsabgeordneter Gero Hocker, dass die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland mit einer beispiellosen Lügengeschichte verbunden sei. Weder sei das größte in Deutschland lebende Raubtier scheu, noch nehme es Reißaus oder scheue sich, auch große Tiere anzugreifen, überwinde Zaunhöhen von mindestens 1,10 m beziehungsweise untergrabe diese auf der Suche nach Beute. "Trotzdem erzählt man uns, der Wolf ist ein scheues Tier." Gero Hocker bezeichnete den Wolf als faszinierendes Tier, machte aber die Notwendigkeit deutlich, einen rechtlichen Rahmen für das Zusammenleben von Mensch und Wolf zu schaffen. Sein Ziel ist es, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, um die Population des streng geschützten Tieres managen zu können. Erforderte klare Kriterien für "Verhaltensauffälligkeiten" als Voraussetzung für "Entnahmen". Gab es in den ersten fünf Jahren nach Ankunft des Wolfes keine klaren Nachweise, schilderte Kreisjägermeister Heiko Ehing die Situation im Landkreis, sind es 2017 bereits bis zu 15 eindeutige und etliche unbestätigte Hinweise. "es sind mindestens zwei Tiere", so Ehing, bei denen sich momentan noch die Frage nach deren Standorttreue oder Wandertätigkeit stelle. Er geht davon aus, dass es sich um Jungwölfe aus dem Cuxhavener Rudel handelt. Ostern erreichten den Kreisjägermeister drei bis vier Meldung, das sei jetzt wieder vorbei. Helmke äußerte seine Überraschung über die schnelle Ausbreitung des Wolfes. "Ohne Vergrämung lässt er sich nicht in die Schranken weisen",  stellte er fest und unterstrich, dass sich Weidetierhaltung und Wolf ausschließen. Er räumte auf mit der Aussage, dass der Wolf in sein angestammtes Gebiet zurückkomme. "Die Bedingungen haben sich in 150 Jahren verändert", so das Vorstandsmitgliedes Land Volks. Aus ehemals Naturraum sei ein zersiedelter Kulturraum geworden. Hocker fragte sich, warum das Jagdrecht nicht Instrument sein darf, um das Raubtier von menschlichen Siedlungen fernzuhalten und den Wolf der "rote Teppich" ausgerollt werde. Bei der von Karsten Schröder berichteten "Optimierungsfunktion in der Artenvielfalt" durch den Wolf wollte eine große Anzahl der Teilnehmer der Podiumsdiskussion nicht mitgehen. Abschließend riet Wolfsberater und Kreisjägermeister Heiko Ehing dazu, grundsätzlich alle durch den Wolf verursachten Schäden zu melden, um so einen Überblick über dessen Vorkommen zu bekommen.

 Quelle: WZ vom 26.04.2017 von Sabine von der Decken

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