Wie ein vollständiges Tabakwerbeverbot der Gesundheit schadet

Gesundheits- und Jugendschutz genießt hohe Priorität und bedarf intelligenter Maßnahmen. Ein umfassendes Tabakwerbeverbot wäre hingegen ein plakativer Schritt in Richtung Bevormundung - und würde zugleich den vorgegebenen Zielen nicht gerecht werden. Zeit, dass endlich wieder Vernunft in die Debatte einfließt.

Der Konsum von Zigaretten ist mit großen gesundheitlichen Risiken verbunden: Jeder Zug an der Zigarette erhöht die Wahrscheinlichkeit Atemwegs- oder Herz-Kreislauf Erkrankungen, verschiedenste Krebsarten oder Erektionsstörungen zu entwickeln. Zeitgleich sind diese Langzeitfolgen bestens erforscht, auf jeder einzelnen Packung präsent und der breiten Bevölkerung bekannt. Aufgrund all dieser Risiken ist ein Abgabeverbot an Minderjährige folgerichtig und steht bei keiner Partei zur Disposition.

Abgesehen von dieser Selbstverständlichkeit dürfen sich Liberale bei den vermeintlichen Gegensätzen "Gesundheit" und "Jugendschutz" auf der einen und "Freiheit" auf der anderen Seite nicht ins Bockshorn jagen lassen. Wenn anerkannte und vor allem unabhängige Wissenschaftler bestätigen, dass es sich beim Verdampfen von Tabak etwa mittels E-Zigaretten um eine weitaus weniger gesundheitsschädliche Form der Nikotinzufuhr handelt und die überwiegende Mehrheit der "Dampfer" ehemalige Raucher konventioneller Zigaretten gewesen sind, muss Politik das ernst nehmen. Und wenn zusätzlich durch den Umstieg eine Vielzahl von gesundheitlichen Gefahren reduziert und eben über 98 % keine "Neueinsteiger" sind, dann muss die Frage, ob für solche Produkte andere Werbevorgaben gelten sollen als für herkömmliche Zigaretten, gestellt werden.

Gerade weil nicht jeder starke Raucher eine Totalabstinenz entwickeln kann, stellen Ausweichmöglichkeiten wie E-Zigaretten eine Chance zur Reduktion gesundheitlicher Gefahren dar. Doch leider hält immer noch mehr als die Hälfte der erwachsenen Raucher E-Zigaretten für ebenso schädlich oder sogar schädlicher als Tabakzigaretten. Deshalb bedarf es unter anderem auch Werbung als Medium, das die Vorteile dieser neuen Produkte bekannt macht und über die geringeren Gesundheitsgefahren informiert. Denn: Jeder Umsteiger vom "Raucher" zum "Verdampfer" bedeutet einen Gewinn an individueller Gesundheit und Lebensqualität für den Betroffenen und geringeren Gesundheitskosten für eine Gesellschaft.

Dagegen argumentiert die Mehrzahl der Bundespolitiker und sehen den Jugendschutz gefährdet, sollte es nicht zu einer weiteren Verschärfung des bereits umfassend existierenden Werbeverbots kommen. Dabei sind diese nicht nur verfassungsrechtlich bedenklich, sondern auch das Argument naiv: Aufgrund der aktuellen Gesetzgebung konnte die Zahl der minderjährigen Raucher in Deutschland seit 2001 um über 70 % reduziert werden. Während in Frankreich sogar seit 1991 ein totales Tabakwerbeverbot existiert, ist der Anteil Jugendlicher, die dort zur Zigarette greifen, etwa doppelt so hoch wie in Deutschland.

Ebenso naiv wäre es allerdings, Werbung keinerlei Einfluss für das Konsumverhalten zuzugestehen. Genau aus diesem Grunde muss auch die Frage beantwortet werden, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. So lange gesundheitsschädliche Produkte, die sogar abhängig machen, legal oder illegal erhältlich sind, muss die Eigenverantwortlichkeit des Verbrauchers gestärkt werden. Denn in einer globalen Welt warten neben Tabakprodukten noch Millionen weiterer Konsummöglichkeiten auf den Bürger, die ihm Schaden zufügen können. Auf der Grundlage möglichst vieler Informationen wird er abwägen und entscheiden müssen, ob er bereit ist, für die Befriedigung seiner verschiedenen Bedürfnisse - oder auch Süchte - statistisch sogar auf Lebenszeit zu verzichten - weil er Zucker isst, Alkohol trinkt oder auf (E)-Zigaretten zurückgreift.

Deshalb führt kein Weg an der Verantwortung des Einzelnen und der Frage, was er seinem Körper zumuten will und was nicht, vorbei. Anstatt pauschal schärfere Gesetze zu fordern, die dem Verbraucher den Weg zu weniger gesundheitsschädlichen Innovationen erschweren, wäre es erfolgversprechender, sich Gedanken über eine noch effizientere Abgabekontrolle an Jugendliche oder die Übernahme von ärztlich begleiteten Rauchentwöhnungskursen durch die Krankenkassen zu machen - ein Ausweitung des Werbeverbots ist es jedenfalls nicht!

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