Toleranz statt Verbote - Rechte statt Willkür!

Der Satz von Friedrich II, dass jeder „nach seiner Façon“ glücklich werden können muss, ist 280 Jahre alt - aber im Deutschland des Jahres 2020 aktueller denn je! Denn mit vermeintlicher moralischer Überlegenheit wird Menschen ein selbstbestimmtes Leben, zu dem Fleisch-, Tabak- oder Alkoholkonsum oder Fernreisen gehören mögen, gegenwärtig bei jeder Gelegenheit auszureden versucht.

Motorradfahren am Wochenende verbieten, Fleischverzehr verteuern oder Raucher noch mehr gesellschaftlich ächten. Was macht eine Gesellschaft eigentlich „tolerant“? Was heißt es, wenn Friedrich II. vor 250 Jahren erklärte, jeder möge nach seiner „Façon“ glücklich werden? Wenn der andere dieselben Vorlieben hat wie man selber, akzeptiert man sie vielleicht gerne. Kompliziert wird es, wenn sie nicht den eigenen entsprechen. „Toleranz“ zu üben bedeutet aber ja gerade, die Vorlieben anderer zu akzeptieren, auch und gerade, wenn sie nicht den eigenen entsprechen.
Als Nichtraucher könnte es mir im Grunde egal sein, ob Rauchen zusätzlich erschwert, verteuert oder gar verboten wird. Oder ob dafür auch in Zukunft geworben werden darf oder nicht und wie die Bundesregierung und Grüne und Linke dies künftig noch weiter einschränken wollen. Aber alles mit dem erhobenen Zeigefinger zu verbieten, zu verhindern, zu diskreditieren, was Menschen - vielleicht einer Minderheit - Freude bereitet, weil es vielleicht einer Mehrheit ein Dorn im Auge ist, die es vielleicht nicht erträgt, dass andere Spaß haben, ist das genaue Gegenteil von Toleranz - und darf nicht noch weiter um sich greifen!

Es gibt wohl kaum eine Freizeitbeschäftigung, die vollständig ohne Auswirkungen auf andere ist. Menschen trinken Alkohol, fliegen in den Urlaub oder fahren wie ich Motorrad. Und manche greifen zur Zigarette, zur E-Zigarette oder zum Verdampfer. Es wird Zeit, dass wir wieder die „Toleranz“ erlernen, nicht alles, was uns selber vielleicht keine Freude bereitet, auch anderen nicht zugestehen zu wollen. Eine solche Gesellschaft ist nämlich weder „bunt“ noch „vielfältig“, sondern eintönig, grau und garantiert nicht lebenswert!

Während unliebsame Gewohnheiten sanktioniert oder verboten werden sollen, scheint es gleichzeitig immer mehr zum akzeptierten Zeitgeist zu gehören, dass „vorbildliches“ Verhalten belohnt werden müsse. Grünen-Vorsitzender Robert Habeck fordert als Lehre aus der Corona-Zeit, den Gang zur Urne bereits mit 16 Jahren zuzulassen. Gerne darüber streiten, welches Alter als Wahlalter wirklich angemessen ist - dies aber ausgerechnet damit zu begründen, die „junge Generation“ hätte sich während der Corona-Krise gegenüber Älteren „absolut vorbildlich“ verhalten, ist nun echt lächerlich. Warum dann ab 16? Haben nicht auch 15jährige in den vergangenen Wochen für ihre Großeltern eingekauft oder Medikamente von der Apotheke geholt?


Vor allem offenbart diese Forderung ein fatales Habeck’sches Selbstverständnis: das Wahlrecht ist ein Recht, das zunächst jeder besitzt, der das 18. Lebensjahr vollendet - völlig unabhängig, ob sein Verhalten Herrn Habeck oder irgendjemand anderem passt oder gefällt. Habeck‘s Forderung konsequent weiter zu denken, würde dazu führen, dass demnächst die besten Mülltrenner, fleißigsten Fahrradfahrer oder diejenigen, die am häufigsten in der kalten Wohnung sitzen, Wahlprivilegien erhalten könnten. Dies sind absolut keine Hirngespinste: „Social scoring“, das verkehrsgetreues Verhalten, Fleiß oder Sauberkeit honoriert und etwa zu günstigeren Zinskonditionen führt, ist in einigen Städten Chinas seit Jahren etabliert.


Nicht, ob sich jemand nach Vorstellung von Herrn Habeck „wohlfeil“ verhält, darf ausschlaggebend sein dafür, ob er das aktive oder passive Wahlrecht ausüben darf, sondern seine Staatsangehörigkeit und sein Alter. Andere könnten auf die Idee kommen, andere Faktoren als das Verhalten während einer Pandemie als Voraussetzung für das Wahlrecht zu sehen - vielleicht religiöse Überzeugung, Geschlecht oder Hautfarbe?! Es ist geradezu beängstigend, dass jemand, der bis kurzem noch als künftiger Kanzler gehyped wurde, solche Gedanken äußert!

Lasst uns den Menschen die Freiheit geben, dies auch künftig für sich selber herauszufinden und zu leben, wie sie es mögen - eben jeder nach seiner Façon!

Niemand anderes als man selber weiß, was einen glücklich macht!

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