Tierschutz dank Innovationen

Immer wenn Nahrungsmittel aufs Band der Supermarktkasse gelegt werden, die eigentlich nicht mit der eigenen Ethik vereinbar wären, kommt beim Kassierer zweierlei an: Zum einen ein Warenkorb, den man in Umfragen so nie zugeben würde und zum anderen eine Anspruchshaltung an die Politik, das eigene Fehlverhalten doch endlich in die richtigen Bahnen zu lenken. Gleiches Muster ist auch auf dem Eiermarkt erkennbar! Während weibliche Küken moderner Zuchtlinien nachgefragt werden, stehen männliche einer fehlenden Nachfrage gegenüber, da sie weder Eier legen noch wirtschaftlich zur Fleischproduktion eingesetzt werden könnten. Und obwohl es Alternativen zur Tötung von männlichen Küken gibt, beispielsweise die Bruderhahnaufzucht oder Zweinutzungshühner, scheuen Kunden die damit verbundenen höheren Kosten – trotz positiver Auswirkung auf den Tierschutz. In Folge werden jährlich 500 Millionen männliche Küken in Europa getötet. Das Traurige ist: Mit den Vorschlägen des Bundeslandwirtschaftsministeriums wird es auf Sicht auch so bleiben, obwohl technische Lösungen bereits in den Startlöchern stehen. Doch nicht nur Verbraucher oder NGOs fordern einen schnellen Ausweg aus der Misere. Auch von rechtlicher Seite wurde Politik aufgefordert, einen Übergangszeitraum zu nutzen, bis alternative Vorgehensweisen umgesetzt werden können, die für den Markt weniger belastend sind als die Aufzucht der männlichen Tiere. Deshalb ist zwischen den Parteien völlig unstrittig, dass das Kükentöten in großem Stil schnellstmöglich der Vergangenheit angehören muss, lediglich der richtige Weg ist Gegenstand von politischen Kontroversen. Doch das Bundeslandwirtschaftsministerin ist bereits vorgeprescht und hat wie so oft mit einer Placebo-Maßnahme reagiert, welche ein nationales Verbot beinhaltet, das den Tierschutz keinen Millimeter voranbringen würde. Denn innerhalb der EU ist eine Produktionsverlagerung nur einen Handstreich entfernt und Kontrollen in anderen Ländern entsprechen oftmals nicht unseren heimischen Standards. Nationale Alleingänge, die deutlich über europäische Regelungen hinausgehen, führen deshalb lediglich zu einer Abwanderung der Tierhaltung. Und anstatt die Lage für die Tiere zu verbessern, verschlechtert sich das Tierwohl insgesamt. Letzten Endes würden zukünftig weibliche Küken zur Aufstallung aus EU-Staaten nach Deutschland kommen, in denen das Töten männlicher Küken weiterhin legal ist und die Regale würden vermehrt mit Produkten aus dem Ausland bestückt werden. Ob das Töten männlicher Küken also tatsächlich beendet wird, wird auch nach der Umsetzung des BMEL-Vorschlags an der Ladenkasse entschieden werden – trotz des nationalen Verbots. Vor diesem Hintergrund brauchen wir dringend ein einheitliches Vorgehen in der EU, für das sich die FDP-Bundestagsfraktion auch in parlamentarischen Initiativen stark macht. Dank unserer Innovationskraft steht eine technische Lösung bereit, die mit geringeren Kosten verbunden wäre als Bruderhahnaufzucht oder Zweitnutzungshühner: Die Geschlechtserkennung im Ei. Doch noch ist vollkommen unsicher, ob für die Umsetzung des von der Bundesregierung geplanten Verbots des Tötens nach dem 6. Bebrütungstag ab 2024 eine marktreife Technologie zur Verfügung steht. Das setzen einer solchen Deadline schafft lediglich Unsicherheit in der Branche bezüglich schon getätigter und noch geplanter Investitionen in marktreife und demnächst marktreife Technologien und verhindert somit die Umsetzung von mehr Tierschutz. Für uns steht fest: Um das Kükentöten zu beenden, muss eine Marktreife der Früherkennung des Geschlechts im Ei bereitstehen. Damit Politik nicht weiterhin im luftleeren Raum agiert, sondern sich von den Experten Chancen und Grenzen des technischen Fortschritts erklären lassen kann, kämpfen wir weiterhin für eine Anhörung im Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung zu diesem Thema. Denn die Erforschung und die Weiterentwicklung dieser Techniken sind unsere größten Hebel, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Nur durch Innovationen können wir das Kükentöten tatsächlich beenden und die heimische Produktion mit ihren hohen Standards halten, nicht durch politische Entschlüsse fernab der Realität.

Zurück