Spargel statt Illner

VERDEN Wegen der Einladung des FDP-Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Gero Hocker
zum traditionellen Spargelessen der Liberalen des Kreises hatte sie sogar auf den ZDF-Talk "Maybritt Illner"
verzichtet: Die neue FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg präsentierte sich am Donnerstagabend im Verdener
Gasthaus "Am Kamin" bei Rekordbeteiligung ihren Parteifreunden.

Die Steilvorlage zum politischen Diskurs bei leckerem Spargel mit Schnitzel, Schinken und Kartoffeln hatte dabei
der politische Mitbewerber geliefert in Person des Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert, der kurz zuvor privates
Wohneigentum über den Eigenbedarf hinaus abgelehnt und die Vergesellschaftung von Automobilfirmen als
volkseigene Betriebe begrüßt hatte. Die aus Brandenburg kommende 37-jährige Rechtsanwältin und Bundestagsabgeordnete
Linda Teuteberg wünschte, Kühnert hätte einmal einen Tag in der Zwangswirtschaft der früheren DDR gelebt,
dann würde er solchen Unsinn nicht erzählen.

Die Generalsekretärin: "Ist Kevin allein zu Haus, kommt er auf spinnerte Ideen. Auch Jugendlichkeit schützt nicht vor gescheiterten Ideen aus der politischen Mottenkiste."

Die Spitzenliberale hält gar nichts von der Verteufelung persönlichen und wirtschaftlichen Erfolgsstrebens. Im Gegenteil, dies dürfe durch Bürokratie und Enteignung in Form kalter Steuerprogression nicht noch bestraft werden. Wer mehr Wohnungen wolle, müsse private und staatliche Investitionen bewegen, rechtliche und bürokratische Hürden sowie übertriebene Standards abbauen. "Wir müssen Wohnungen bauen und nicht klauen", sagte sie unter viel Beifall an die Adresse Kühnerts.
Um den Anschluss aller an die Digitalisierung zu fördern, spricht sich Teuteberg auch für eine Art Bafög für ältere "Semester" aus.

Die migrationspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion widmete sich ihrem Spezialthema mit nur wenigen Kernsätzen: Neben dem Asylrecht sollte man Menschen aus Armutsländern den Weg zu unserer Arbeitswelt durch ein Zuwanderungsgesetz ermöglichen. Dabei sollten die Qualifikation, die beruflichen Erfahrungen, die Integrations- und Sprachfähigkeiten der potenziellen und sonstige Eigenschaften der Emigranten in einem Punktekonto bewertet werden. Dann würden Nöte dieser Menschen und unser Fachkräftemangel gemildert. Damit hätte man zwar die Flüchtlingskrise 2014 nicht vermieden, räumte die FDP-Politikerin ein, aber Beliebigkeit durch Regelhaftigkeit und ein geordnetes Verfahren ersetzt. Generell gelte für alle persönlichen Entscheidungen, dass die nach einem rechtsstaatlichen Verfahren getroffene Entscheidung auch konsequent umgesetzt werden müsse, auch Entscheidungen zur Abschiebung vollzogen werden müssten.

Blieb noch das Feld der Energiepolitik, auf dem sich besonders auch Gero Hocker heimisch fühlt und auch der Gasförderung in heimischen Gefilden keine Absage erteilt. "Was nützt der Strom aus Wind und Sonne, wenn er nicht über die Trassen und Leitungen zu den Verbrauchern kommt und statt dessen Kohlestrom aus der Ukraine und Atomstrom aus Frankreich eingespeist wird?", fragte Hocker und warf gerade den Befürwortern der Alternativenergien vor, dass sie die Nord-Süd-Trassen in Deutschland blockierten. Der heimische FDP-Bundestagsabgeordnete plädiert für fachlich nüchterne Betrachtung statt populistischer Schlagworte.

Beim politischen Spargel-Talk mit den Parteifreunden war dann die Themenpalette noch viel breiter. Von der Organspende sterbender Kinder bis zur Datenschutzgrundverordnung, die Ehrenamtliche in Vereinen mit Gefängnis bedrohe, wanderte die Diskussion, und die Generalsekretärin bewies, dass sie eine Generalistin ist und auf alles eine zufriedenstellende Antwort hat. Unter großem Beifall wünschte ihr der Achimer Harald Koch, dass sie so auf dem Boden bleiben möge.

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