Reinen Wein einschenken statt mit Zitronen handeln: Ernährungsampeln und Bevormundung lassen kein einziges Pfund schmelzen!

Alarmistische Berichte zu Übergewicht dominieren die Gesundheitszeitschriften und rufen Politiker auf den Plan, dem Problem mit neuen Steuern oder zusätzlicher Produktkennzeichnung Einhalt zu gebieten. Stattdessen wird es Zeit, den Menschen endlich reinen Wein einzuschenken: So unterschiedlich ihre Gesundheitsprobleme sind, so differenziert müssen Lösungen angeboten werden. Eine staatliche Einheitsstrategie hingegen, ob durch erzieherische Steuererhöhungen oder eine Lebensmittelkennzeichnung, wird weder Adipositas und Magersucht noch irgend ein Gramm Fett, das man vielleicht verlieren möchte, überwinden helfen.

Volle Regale, exotische Produkte, dauerhafte Verfügbarkeit: Innovationen in Landwirtschaft und Handel haben Hunger und Unterversorgung, die in weiten Teilen des 20. Jahrhunderts das tägliche Geschehen noch dominierten, glücklicherweise überwinden lassen. Kalorien stehen rund um die Uhr zur Verfügung und zwar zu Preisen, die für jedermann erschwinglich sind. Statt Hunger und Mangel sind es heute Probleme der Überversorgung, die unsere Gesellschaft insgesamt und jeden einzelnen herausfordern. Das Übergewicht des 21. Jahrhunderts ist auch das Ergebnis des Erfolgs von Verfügbarkeit und Preisgünstigkeit unserer Lebensmittel.

Ende des vergangenen Monats hat im Deutschen Bundestag eine Expertenanhörung zu diesem Thema stattgefunden. Eine “Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro” stellt sich in dem dreistündigen Austausch als Allzweckwaffe der Linken heraus, während die Forscher einen Mangel an Ernährungsbildung als Hauptursache ausmachen. Ausdrücklich wäre eine “gesunde Ernährung auch mit einem schmalen Geldbeutel” möglich konstatieren sie. Man solle sich mal vorstellen, wir Liberalen hätten Steuersenkungen zur Bekämpfung von Übergewicht angeführt - eine, und durchaus berechtigte, Schelte der Medien wäre uns gewiss gewesen.

Gleichzeitig besitzen die Grünen eine besondere Affinität zum Begriff „Wende“, der ebenso wie bei der AFD eine „Obergrenze“ zu quasi jedem Thema herhalten muss. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass sie nicht weniger als eine „Ernährungswende jetzt“ fordern, um durch dieses Wording zugleich unsere Luxussituation bei Lebensmitteln zu verleugnen. Ohne Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen: Ebenso wie die Energiewende, die eine durchschnittliche Familie laut dem ehemaligen grünen Minister Trittin nur eine Kugel Eis pro Monat kosten sollte und eine “Mobilitätswende” mit Elektroautos erfolgen soll, die ökologisch hoch problematisch sind, würde auch eine Ernährungswende Fehlanreize setzen und den Bürgerinnen und Bürgern teuer zu stehen kommen. Steuererhöhungen auf vermeintlich ungesunde Lebensmittel und eine neue Lebensmittelkennzeichnung, alles gebündelt in einer bürokratischen, nationalen Ernährungsstrategie, wird in den Köpfen der Planer erdacht, aber an der Realität scheitern. Sogar Biolebensmittel sollen bei öffentlichen Einrichtungen vorgeschrieben werden – wohlwissend, dass diese keinen gesundheitsfördernden Effekt beinhalten.

Statt ideologischem Aktionismus muss die FDP den Menschen reinen Wein einschenken: Die Verantwortung für seine Ernährung liegt immer zuerst bei dem einzelnen Verbraucher. Er hat in Deutschland die Möglichkeit, aus Millionen von hochwertigsten Lebensmitteln auszuwählen, über deren Inhaltsstoffe sehr hohe Transparenz besteht. Jede staatliche Initiative zu gesünderer Ernährung würde scheitern, wenn der Bürger nicht auch selber den Antrieb und die Bereitschaft besitzt, sich kritisch mit seiner eigenen Ernährung auseinanderzusetzen.

Denn die Ernährungssituation der Menschen ist so individuell, wie die Menschen selbst. Gefahren für den einen, beispielsweise in Form von hohen Kalorien, können für den anderen lebenswichtig sein. Ein an Unterernährung erkrankter Mensch wird ein als “schlecht” gelabeltes Lebensmittel sicherlich als noch negativer wahrnehmen, obwohl für ihn die Kalorienaufnahme notwendig wäre. Diese Personengruppe ist keineswegs marginal, sondern macht immerhin bis zu 30 Prozent der Aufnahmen in Akutkrankenhäusern aus. Völlig außer Acht gelassen ist bei dieser Abwägung noch der emotionale Effekt des Essens, der neben dem bloßen Sättigungsgefühl ebenso wie bei dem abendlichen Glas Wein, ausdrücklich ebenfalls ein berechtigtes Ziel sein darf.

Deshalb bietet die bisherige Form der Nährwerttabelle die bestmögliche Information für den Verbraucher. Ausgehend von Mengenangaben kann er mit einem einfachen Dreisatz die für seine persönliche Situation passenden Rückschlüsse ziehen. Wir Freien Demokraten setzen im Bundestag deshalb anstelle staatlicher Einheitslösungen auf die Ernährungsbildung von Kindern als auch Erwachsenen: Ertüchtigen statt staatlicher Führung, Verantwortung statt Bevormundung und individuelle Lösungen statt Rundumschläge sind dabei unsere Leitlinien. Wirkliche Informationsdefizite, beispielsweise bei der Frage, woher Produkte tatsächlich stammen, werden außerdem von uns angegangen. Eine unbürokratische Herkunftskennzeichnung könnte diesbezüglich ein sinnvolles Instrument sein, damit Kunden ihrem Wunsch nach verlässlichen Tierschutzstandards, Regionalität und geringen CO2-Emssionen einfacher Taten folgen lassen können.

Unabhängig davon, ob Sie sich nach dieser leichten Lektüre mit einem Apfel, einem Stück Schokolade oder einem großen Eisbecher stärken wollen – ich wünsche Ihnen guten Appetit und bin mir sicher, Sie behalten Ihre Gesundheit aus eigenem Antrieb im Auge!

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