Nitratwerte im Grundwasser lösungsorientiert senken

Bei vielen Themen des Umweltschutzes wird gerne der Landwirtschaft die alleinige Verantwortung zugeschrieben, so auch bei Grenzwertüberschreitungen für Nitrat im Grundwasser. Aber ist dies wirklich zielführend oder müssen auch andere Verursacher in die Debatte einbezogen werden?

Seit 1949 wurde Gülle nie mit besserer Technik ausgebracht, wurde nie auf weniger Fläche in Deutschland Ackerbau betrieben und wurde die Einhaltung von Grenzwerten niemals zuvor strenger kontrolliert. Trotzdem wird für erhöhte Nitratwerte im Grundwasser in der öffentlichen Debatte alleine die Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Die bereits zweite Novellierung der Düngeverordnung innerhalb von nur zwei Jahren geht dabei völlig fehl. Erst nach Jahren werden die Ergebnisse der erst im Jahre 2017 beschlossenen Verschärfung erkennbar sein.

 

Darüber bleiben andere potentielle Verursacher von Nitratbelastungen im Grundwasser völlig unbeachtet: In vielen Kommunen existieren so genannte Mischwassersysteme, die Abwasser und Oberflächenwasser im selben System entsorgen. Kommt es zu Starkregenereignissen, sind die Kanalnetze schlicht überlastet. Zudem erfolgt eine derart starke Verdünnung der Abwässer, dass Kläranlagen nicht in der Lage sind, ihre Reinigungsfunktion effektiv zu erfüllen. In solchen Situationen werden Abwässer häufig nicht über die Mischsysteme entsorgt, sondern direkt in die Gewässer eingeleitet. Zahlreiche Videomitschnitte kursieren in den sozialen Medien, die belegen, dass Städte an der Elbe und an anderen Flüssen ihre Abwässer ungeklärt in die Flüsse einleiten.

Viele Abwasser- und Kanalsysteme der Kommunen sind darüber hinaus während der vergangenen Jahrzehnte marode geworden und weisen Leckagen auf. Häufig kommt nur ein nicht genau zu benennender Anteil der eingeleiteten Abwässer tatsächlich bei den Kläranlagen an. Der Rest versickert und diffundiert ins Erdreich. Obwohl beide Phänomene unstrittig sind, ihre Behebung aber zu einem betriebswirtschaftlichen oder politischen Kraftakt führen würde, spielen sie in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle.

Fakt ist: Landwirtschaft trägt für die Reinheit unseres Grundwassers, die Sauberkeit von Luft und Boden und für die Einhaltung von Standards in der Tierhaltung große Verantwortung. Ihr allerdings pauschal bei jedem dieser Themen die alleinige Verantwortung zuzuschieben, ist ein falscher politischer Reflex, der mehr die Zustimmung urbaner Milieus im Blick hat, als die konstruktive und tatsächliche Lösung von Umweltproblemen. Statt reflexartig Landwirtschaft mehr Verantwortung zuzuschieben, als sie tragen muss und tragen kann, sollte die Ministerin die Nitratdiskussion endlich lösungsorienriert führen. Politische Schuldzuweisungen helfen nicht, wenn andere Verursacher aus Opportunismus von der Bundesregierung bewusst vernachlässigt werden.

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