Lebensmittelversorgung trotz Coronavirus sicherstellen

Die Ausbreitung des Coronavirus stellt in der Landwirtschaft insbesondere die arbeitsintensiven Sonderkulturbetriebe vor große Herausforderungen. Die Politik ist aufgefordert, pragmatische Lösungen zu finden, die die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und die Verlangsamung der Ausbreitung des Virus miteinander vereinbaren.

Mit dem aktuell sonnigen und warmen Wetter sind die Obst- und Gemüsebaubetriebe in unserem Land mitten in der ersten arbeitsreichen Zeit des Jahres. Seien es jetzt das Spargelstechen, in ein paar Wochen das Erdbeeren pflücken oder die zahlreichen Vorbereitungs- und Pflegemaßnahmen wie etwa die Aussaat von Salat und Gemüse, die zahlreichen arbeitsintensiven Tätigkeiten können die Betriebe in den zur Verfügung stehenden engen Zeitfenstern nicht mit der Stammbelegschaft erledigen. Vielmehr sind sie auf zahlreiche Saisonarbeitskräfte angewiesen, die im Rahmen der kurzfristigen Beschäftigung für einige Wochen oder Monate in dieser arbeitsreichen Zeit aushelfen. Oft sind es Menschen aus dem nahen und fernen europäischen Ausland, die dazu nach Deutschland kommen und sich in den bis zu drei Monaten einen wesentlichen Teil ihres Jahreseinkommens verdienen.

Die freie Ein- und Ausreise und andere Selbstverständlichkeiten stehen seit der Ausbreitung des Coronavirus auf dem Prüfstand. Trotzdem muss die Durchführung der notwendigen Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft weiterhin gesichert bleiben. Denn der Eindämmung des Virus wäre ein Bärendienst erwiesen, wenn gleichzeitig wertvolle Lebensmittel nicht geerntet und auf den Feldern umkommen würden. Die Situation in der Landwirtschaft ist im Vergleich zu den ohnehin großen Auswirkungen auf unsere Wirtschaft noch einmal verheerender, weil hier ein nicht wie geplant durchgeführter Produktionsschritt immer gleich voll auf das Betriebsergebnis des ganzen Jahres durchschlägt, im Fall einer nicht durchgeführten Ernte oder Aussaat auch mit einem Totalverlust.

Mit seinem Ende März im Alleingang verhängten Einreisestopp für die ausländischen Saisonarbeitskräfte hat Minister Seehofer die Landwirtschaft somit vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Denn diese Menschen arbeiten mit den Betrieben teils seit Jahren vertrauensvoll zusammen, sind eingearbeitet und bei den anstehenden Aufgaben fest eingeplant. Es ist zu begrüßen, dass sich nun viele Menschen hierzulande dazu bereiterklären, auf den Feldern mitzuhelfen. Doch alleine mit Schülern, Studenten und Asylbewerbern, die keine entsprechende Erfahrung vorweisen können, wird man die ausbleibenden Saisonkräfte aus dem Ausland nicht kompensieren können. Zudem wäre es nicht zu erklären, dass zwar rumänische LKW-Fahrer, aber nicht das Personal zur Produktion der LKW-Ladung ins Land dürfen.

Der Kompromiss von Minister Seehofer und Ministerin Klöckner, jeweils 40.000 Erntehelfer in den Monaten April und Mai einreisen zu lassen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn nur ein Bruchteil der sonst in Deutschland tätigen Saisonarbeiter einreisen darf, führt dies unweigerlich zu massiven Ernteausfällen und während der Corona-Krise zu einer Erschwernis bei der Sicherstellung der Versorgungssicherheit in Deutschland. Deswegen muss sich die Bundesregierung mit den Herkunftsstaaten der Saisonkräfte und den Transitländern schnellstens darauf verständigen, dass die Ein- und Ausreisebedingungen skaliert und standardisiert werden, sodass künftig eine vollständige Öffnung der Grenzen wieder möglich ist. Nur so lassen sich irreversible Schäden für die Wirtschaft in der EU unter Berücksichtigung epidemiologischer Vorsichtsmaßnahmen vermeiden.

Auch die Durchführung der gefundenen Kompromisslösung ist mangelhaft. Die Anmeldung der Saisonarbeitskräfte ist ausschließlich über ein Portal des Bauernverbandes möglich, obwohl es unter den aktuellen Bedingungen hoheitliche Aufgabe ist, das internationale Angebot von Arbeitskräften mit der nationalen Nachfrage zusammen zu führen. Deswegen ist es auch fragwürdig, den Gesundheitsschutz an private Sicherheitsfirmen auszulagern. Hier gehören die lokalen Gesundheitsämter in die Pflicht und die Bundesregierung muss klarere Vorgaben machen, um Infektionsherden vorzubeugen. An die landwirtschaftlichen Betriebe appelliere ich, Mindestabstände und infektionsvorbeugende Maßnahmen unbedingt einzuhalten. Das in sie gesetzte Vertrauen darf nun nicht durch das Fehlverhalten einzelner schwarzer Schafe enttäuscht werden.

Zurück