Landwirte im Hochwassereinsatz

Während sich Politiker immer wieder zu Recht gegen pauschale Verurteilungen „der Politik“ wehren, wird von ihnen wiederum - nahezu täglich - ebenso pauschal das Fass über Landwirte ausgeschüttet. Von angeblich verunreinigtem Grundwasser über Luftverschmutzungen bis hin zum Artensterben: Bisher schien kein Vorwurf zu groß, um ein paar Wählerstimmen abzugreifen. Besonders treibt es einem dann die Zornesfalten ins Gesicht, wenn wissenschaftsferne Vorwürfe auch noch zu handfesten Einkommensverlusten führen, wie bei Düngeverordnung und dem sogenannten Insektenschutzgesetz geschehen.

 

Für Politiker, die einen ganzen Berufsstand über Jahre an den Pranger gestellt haben, kommt die Hochwasserkatastrophe daher zur Unzeit! Denn während das politische Spitzenpersonal anderer Parteien von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, haben unzählige Landwirte weite Wege auf sich genommen und im Flutgebiet Straßen geräumt, Keller leergepumpt oder gar Leichen geborgen. Das passt so gar nicht ins Bild, welches politische Akteure bisher vom Berufsstand zeichnen wollen. Unabhängig von politischen Schlussfolgerungen gebührt Landwirten daher zu aller erst unser Dank für ihren Einsatz, weshalb ich bereits einige für Auszeichnungen der Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagen habe.

 

Doch Dank allein ist nicht genug, die Politik muss jetzt auch dringend ihre Hausaufgaben machen. Dazu gehört neben einer schonungslosen Aufarbeitung der Ereignisse und das ziehen der richtigen Rückschlüsse ebenfalls die schnelle Unterstützung der Betroffenen. Deswegen ist es richtig, dass die FDP-Fraktion eine Sondersitzung des Deutschen Bundestages beantragt hat, damit die dringend erforderlichen Entscheidungen über die unkomplizierte Bereitstellung von finanziellen Mittel für Geschädigte und Helfer schnell und unkompliziert beschlossen und zur Auszahlung kommen kann!

 

Dazu gehört aber auch und ausdrücklich ein anderer, ein fairerer Umgang mit unseren Landwirten, die auch abseits von Krisenzeiten erheblichen Anteil am Funktionieren unserer Gesellschaft haben. Sie kennen die Natur wie kein Zweiter, erzeugen hochwertigste Lebens- und Futtermittel, sie fungieren mit ihren Familienunternehmen als Lebensader in ländlichen Regionen - und jedem, den es interessiert, geben sie gerne Auskunft über ihre Tätigkeit.

 

Alle Menschen in unserem Land haben es verdient von der Politik mit Anstand und Fairness behandelt zu werden – und zwar unabhängig davon, ob Teile der Bevölkerung einem Berufsstand grade applaudieren oder dank politischer Statements in ihm den Buhmann sehen. Und auch Politikern, die mittels Stimmungsmache Wähler auf ihre Seite ziehen wollen, sei gesagt: Die Stimmung kann sich schneller drehen, als man unbeschadet seine Positionen ändern kann. Uns allen wäre daher mehr gedient, sich nicht nur jetzt im Licht der Landwirte zu sonnen, sondern das Fachwissen, die Expertise und die Einsatzbereitschaft von Landwirten auch nach der Bundestagswahl zu würdigen. Die in den letzten Jahren oft vermisste Fairness wäre ein überfälliger, aber immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Zurück