Fisch als Problemlöser

Die zahlreiche Forderungen zur Landwirtschafts- und Ernährungspolitik scheitern an einem Widerspruch: während einerseits immer mehr Menschen auf unserem Planeten leben, stehen gleichzeitig durch den Klimawandel und die Versiegelung immer weniger Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung. Zusätzlich bedeutet der Verzicht auf neue Züchtungsmethoden, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Ökoquoten, dass auf diesen Flächen weniger Lebensmittel produziert werden können.

Eine Lösung dieses Dilemma könnte herbeigeführt werden durch die nachhaltige, klimaschonende und gesunde Versorgung der Welt Bevölkerung mit tierischem Eiweiß aus dem Meer. Der Hochsee- als auch der Binnenfischer, Aquakulturen oder der befreundete Angler könnten nicht nur regional Fisch fangen, der hochwertiges Eiweiß, gesundheitsfördernde Fettsäuren, wertvolle Vitamine und Mineralstoffe enthält. Auch die CO2-Emission sind in der Regel niedriger als bei manchen Gemüsekulturen. Und auch der immer noch vorhandene Jodmangel bei einer Vielzahl junger Erwachsenen könnte  durch eine Portion Seefisch pro Tag überwunden werden. Bewusste Fehlinformationen und ideologische Negativkampagnen über Fisch als Nahrungsmitteln mit fast ausschließlich positiven Eigenschaften tragen hingegen weder zur Gesundheit noch zum Klimaschutz bei.

Trotz aller negativen Auswirkungen hat die Pandemie auch zwei positive Dinge befördert: viele Menschen haben während der Pandemie eine neue Passion entdeckt, das Angeln. Angelvereine im ganzen Land freuen sich über neue Mitglieder die ihren Wunsch nach individueller Freiheit und einem naturnahen Hobby neuerdings als “Petrijünger” befriedigen. Wer einmal die eigene Nahrungsmittelbeschaffung in der Natur, aus der Natur und mit dem nötigen Naturschutz im Herzen kennengelernt hat, der kann sich davon nur schwer wieder lösen.

Zum anderen die ungebrochene Nachfrage nach Fisch, die zeigt, dass die zunehmende Stimmungsmache gegen Fischerei und Fischverzehr keine Wirkung beim Verbraucher gezeigt hat. Und wenn den Leuten mehr als 20 Jahre lang erzählt wird, das Meer wäre trotz vielfacher MSC-Zertifizierung leergefischt, gleichzeitig in jedem Fischgeschäft von Flensburg bis Passau unverändert das komplette Angebot zu angemessenen Preisen kaufen, dann zeigt sich, dass am Ende immer noch die Realität stärker ist als jede mediale Kampagne.

Im Gegensatz zum Verbraucher hat sich leider die EU ins Bockshorn jagen lassen und mit ihrer Quotenentscheidung vom 13. Oktober die gezielte Fischerei auf Dorsch und westlichen Hering beendet. Damit sind ohne wirkliche Kompensation die beiden wichtigsten Einkommensquellen für die deutschen Kutterbetriebe weggebrochen - obwohl die Wissenschaft bei deutlich wachsenden Schollenbeständen eine Steigerung der Schollenquote um 53% empfohlen hatte. Als Grund dafür wird angeführt, dass bei der Schollenfischerei vereinzelt Dorsche im Beifang sein können. Doch in der Ostsee schwimmen immer noch 5 Millionen Elterntiere und eine noch größere Anzahl von Jungfischen. Es ist deshalb keineswegs so, wie die einschlägigen Öko-Verbände jetzt behaupten, dass der Dorsch in der Ostsee kurz vor dem Aussterben stehen würde. Aber offensichtlich finden solche realitätsfernen Darstellungen inzwischen in der EU mehr Gehör als die Einschätzungen der Wissenschaft, die faktenbasierte Untersuchungen und Einschätzungen formuliert.

Wie alle Branchen muss sich natürlich auch die Fischerei den klimabedingten Herausforderungen anpassen. Und alle Beteiligten haben gemeinsam ein Interesse daran, unsere natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen, damit auch unsere Kinder und Kindeskinder noch am selben Gewässer sitzen können, unsere heimischen Fischfangbetriebe übernehmen und wir als Konsumenten weiterhin die Möglichkeit haben, uns hochwertig zu ernähren. Doch bei allen Fangquoten-Minderungen der letzten Zeit, die viele Familien in ihrer Existenz bedrohen, darf kein falscher Eindruck entstehen: Fischerei ist nicht die Ursache der Probleme, sondern die Lösung! Fischerei kann einen relevanten Beitrag leisten, damit mehr Menschen mit Protein versorgt werden können, aber auch regionale Versorgung und heimische Wertschöpfung Hand in Hand gehen.

Im Lancet-Report zur zukünftigen klimagerechten Ernährung der Menschheit fordern Wissenschaftler eine Steigerung der Fischerzeugung und des Konsums von 50%, um mit den Herausforderungen unserer Zeit Schritt halten zu können. Deshalb bleibt festzuhalten: Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, isst Fisch. Wer auf die CO2-Emissionen achtet, sollte nach der Fridays for Future-Demonstration in ein Fischbrötchen statt in einen Hamburger beißen. Und wer heimische Arbeitsplätze sichern und Nahrungsmittelgewinnung zu höchsten Standards wertschätzen möchte, der greift zu Nahrungsmitteln aus unseren Gewässern.

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