Der Flaschenhals der Energiewende

Netzen droht in Herbstnächten der Kollaps

VERDEN. Insbesondere im Frühjahr und Herbst produzieren Windkraftanlagen häufig viel mehr Strom, als Niedersachsen oder Deutschland zu dieser Zeit benötigt. Weil Strom sich noch immer nicht in industrieller Größenordnung speichern lässt, würde etwa in den kommenden Herbstnächten, wenn der Strom nicht abgenommen wird, unseren Netzen der Kollaps drohen. Um dies zu verhindern, gibt Deutschland seinen Stromüberschuss nicht nur kostenlos etwa an Österreich oder andere Nachbarländer ab, sondern wird der Verbraucher über seine Stromrechnung hierfür sogar mit einem zusätzlichen Entgelt belastet. Der sogenannte Flaschenhals der Energiewende ist schon lange nicht mehr die bloße Erzeugung von „erneuerbarem“ Strom.

Nicht ausreichende Speichertechnologien und der schleppende Ausbau der Netze sind die eigentlichen aktuellen Herausforderungen, die angegangen werden müssten. Dass Politik gerade in dieser Zeit stattdessen das Gaspedal für den Bau weiterer riesiger Windkraftanlagen in Niedersachsen bis zum Anschlag durchtritt, ist energiepolitisch und volkswirtschaftlich ein Sündenfall: auch in Zukunft schlicht auf noch mehr unzuverlässig eingespeiste Energie zu setzen, ist falsch. Energie muss stattdessen endlich speicherbar und transportabel sein, deswegen müsste man sich auf neue Technologien und den Netzausbau konzentrieren.

Stattdessen erarbeitet die Landesregierung gegenwärtig einen Erlaß, der neue und höhere Windkraftanlagen in Niedersachsen deutlich näher an Wohnbebauung heranrücken lassen wird. Nicht nur die betroffenen Bürger in Kirchlinteln, Langwedel‎ oder Thedinghausen werden es nach dem Wunsch der Landesregierung akzeptieren müssen, dass auch in unmittelbarer Entfernung zu ihrem Grundstück immer höhere Anlagen aufgestellt werden. Neben dem energiepolitischen Irrsinn verliert Politik mit diesem Schritt wieder einmal massiv an Glaubwürdigkeit: jahrzehntelang haben Politiker aller Parteien das Eigenheim - die eigenen vier Wände - als verlässliche, inflationssichere und beständige Form der Altersversorgung gepriesen und gefördert – durch Wohnungsbauprämien, Eigenheimzulagen, Arbeitnehmersparzulagen, etc.pp.. All diese im Grunde richtigen Instrumente, die es fast jedem ermöglichen, Werte zu schaffen und zu vererben, haben keine Bedeutung mehr, wenn Windkraftanlagen mit deutlich über 150m – 200m Nabenhöhe den Wert von Grundstück und Eigenheim mit dem Tag der Baugenehmigung unmittelbar um 30, 40, vielleicht 60 Prozent schwinden lassen. Dass dieser Erlass vor allem aus der Feder der Hersteller von Windkraftanlagen stammt, ist wenig verwunderlich. Dass die von diesen neuen Plänen unmittelbar Betroffenen, die wie auch bei uns im Landkreis Verden häufig in engagierten Bürgerinitiativen für ihre Interessen, ja für ihr Hab und Gut eintreten, hiervon allerdings nur aus der Zeitung erfahren dürfen, ist nur noch mit der „Arroganz der Macht“ zu erklären.

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