Den Fischen in Großer Brake droht Atemnot

„Die Große Brake ist ein prägendes Altarm-Gewässer.“

Achim-Bierden. In diesen Tagen blickt Uwe Roll voller Sorge auf das Wasser der Großen Brake. Der in der Bierdener Marsch gelegene Weser-Altarm hat sich stark erwärmt. „Gut möglich, dass der Sauerstoffgehalt jetzt rapide sinkt und die Fische wieder Probleme bekommen“, befürchtet der Vorsitzende des Achimer Anglervereins. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Altarm umkippt. Schon 2010 holten die Angler 1,1 Tonnen toten Fisch aus dem Gewässer. Keine Frage: Der Schlamm, der wie ein dickes Paket auf dem Grund der Brake liegt und den Sauerstoff zehrt, muss raus, damit die Wasser-Fauna stabil bleibt. Geld für die Sanierung des gut 1,2 Kilometer langen und etwa 30 bis 35 Meter breiten Gewässers ist da. Allerdings konnten sich die Angler, der Landkreis Verden und Landwirte, die den Schlamm aus der Großen Brake auf Felder ausbringen sollen, noch nicht auf ein Konzept einigen.
Seit mehreren Jahren bemüht sich der Anglerverein um die Sanierung des Weser-Altarms, der zunehmend verlandet und nur noch eine Wassertiefe von durchschnittlich 40 bis 60 Zentimeter aufweist. Durch die Vermittlung des Achimer FDP-Landtagsabgeordneten Gero Hocker stellte das Niedersächsische Umweltministerium noch unter der inzwischen abgelösten schwarz-gelben Regierung insgesamt 260 000 Euro zur Verfügung. Damit soll die Ausbaggerung des Gewässers auf 80 Zentimeter Tiefe bezahlt werden. An der Sanierung will sich der Anglerverein mit Eigenleistungen im Wert von 30 000 Euro beteiligen. Der Landeszuschuss ist an eine Frist gebunden. Er sollte zunächst bis Ende 2014 verwendet werden, ansonsten wäre er verfallen. Nachdem Gero Hocker erneut in der Sache aktiv geworden war, hat das Umweltministerium jetzt die Frist bis Ende 2015 verlängert.

Auf diese Weise hat der Anglerverein Zeit gewonnen. Das Projekt will aber nicht so recht vorankommen. Der Grund: Die vom Landkreis Verden erteilte Genehmigung für die Ausbaggerung ist an eine Auflage geknüpft. Demnach muss der Schlamm fachgerecht deponiert oder aber auf landwirtschaftlichen Flächen verarbeitet werden. Das erweist sich als großes Hindernis. Denn eine Deponierung würde den Kostenrahmen sprengen. Und gegen die Verteilung des Aushubs auf umliegenden Flächen meldete die Landwirtschaftskammer Bedenken an. Die Schlammberge – immerhin geht es um 12 500 Kubikmeter – könnten das Landschaftsbild beeinträchtigen, hieß es. Andere Bedenken, wie eine mögliche Schadstoffbelastung des Schlamms konnten zwischenzeitlich von Gutachtern, die Proben gezogen hatten, ausgeräumt werden.

Wie Richard Zorn vom Fachdienst Wasser, Abfall und Naturschutz des Landkreises erklärte, kann das Gewässer lediglich im Spätsommer und Frühherbst ausgebaggert werden – aus Rücksicht auf die Flora und Fauna, aber auch mit Blick auf die Landwirte, die den Schlamm auf ihren Flächen verarbeiten sollen. Die Sanierung der Großen Brake sei auch aus Sicht des Landkreises sehr wichtig, beteuerte Zorn.

Gero Hocker erklärte jetzt in einer Pressemitteilung, er sehe den Landkreis Verden in der Pflicht, einen Weg für die Sanierung der Großen Brake aufzuzeigen. Der FDP-Stadtverband Achim bewerte die Große Brake als prägendes Altarm-Gewässer im Stadtgebiet. Die Sanierung dürfe nicht an formalen Kriterien scheitern. Der Landkreis wiederum hat die Erwartung, dass der Anglerverein als Träger des Projekts die Initiative für neue Gesprächsrunden ergreift. Das stellte Richard Zorn fest. Vereinsvorsitzender Uwe Roll will sich nicht verschließen: „Es sollte möglich sein, dass wir gemeinsam eine Lösung erarbeiten.“

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